Misshandlungen in einer Behinderteneinrichtung in Bad Oeynhausen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt 145 Beschuldigte in einem Verfahren wegen Verdachts der Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung bei Bewohnern in einer Behinderteneinrichtung im Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen). Zu den beschuldigten Personen zählt der ehemalige Leiter des Geschäftsbereichs, Ärzte und verantwortliche Betreuer sowie Angehörige des Pflegepersonals.

Bewohner der Einrichtung wurden ohne richterlichen Beschluss eingesperrt oder auf Stühlen und Matten fixiert. In 21 Fällen wurde offenbar auch Reizgas eingesetzt. Es wird nunmehr aufgeklärt, ob es sich bei dem Einsatz von Reizgas um Notwehr handelte und die Handlungen demnach gerechtfertigt wären. Bislang sind 32 Opfer identifiziert worden.

Seit Herbst 2019 wird gegen den ehemaligen Leiter ermittelt. Dabei kam es bereits zu umfangreichen Durchsuchungen von insgesamt 26 Objekten überwiegend in Nordrhein-Westfalen. Bislang konnte noch nicht festgestellt werden, in welchen Zeiträumen sich die Vorfälle abspielten. Da die Straftaten Freiheitsberaubung sowie gefährliche Körperverletzung Verjährungsfristen unterliegen, liegt das Augenmerk der Ermittler daher auf den letzten fünf bzw. zehn Jahren.

Der Betreiber, die 1887 gegründete Diakonische Stiftung Wittekindshof mit Sitz in Bad Oeynhausen, hat nach eigenen Angaben jährlich etwa 5000 Kinder, Jugendliche und Erwachsen mit Beeinträchtigungen unterstützt. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Unterstützung von Menschen mit einer geistigen Behinderung und zusätzlichen schweren psychischen Störungen.

Die Stiftung erklärte sich bestürzt zu den gemachten Anschuldigungen. Der Vorstand Dierk Starnitzke teilte mit “Wenn im Wittekindshof Maßnahmen ergriffen wurden, die nicht rechtmäßig und strafbar gewesen sind, dann distanzieren wir uns davon klar und deutlich.” “Es gilt, die Anschuldigungen schonungslos aufzuklären, wozu wir weiterhin unbedingt entschlossen sind“, erklärte er weiter. D

ie Verantwortlichen hätten unabhängig von polizeilichen Ermittlungen hinreichende Maßnahmen für eine Umstrukturierung in der Stiftung an den Tag gelegt. Die Stiftung hatte bereits im Sommer 2020 den betroffenen Geschäftsbereich aufgelöst und sei neu organisiert worden. Der Vorstand habe den ehemaligen Leiter des Geschäftsbereichs von seinem Aufgabenbereich freigestellt.