Kategorie-Archiv: Behandlungsfehler

BGH: Chefarztbehandlung muss vom Chefarzt durchgeführt werden

Hat ein Patient vereinbart, dass eine Operation durch einen Chefarzt durchgeführt wird, dass darf dieser auch nicht von einem anderen Arzt operiert werden. So entschied nun der Bundesgerichtshof (BGH: U. v. 19.07.2016 – VI ZR 75/15). Ansonsten könnten den Patienten schlimme Folgen treffen.

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Ermittlungen in Hamburg: 18-jähriger stirbt unter Vollnarkose

Ein 18-jähriger Patient ist aus einer Vollnarkose in einer Hamburger Zahnarztpraxis nicht mehr aufgewacht. Die aufwendige Wurzelbehandlung war für mehrere Stunden geplant. Der junge Mann fürchtete diese Behandlung nicht nur aufgrund des schlechten Zustandes seiner Zähne sehr. Er wollte diese daher ausdrücklich nur unter Vollnarkose durchführen lassen, obwohl dies bei einem solchen Eingriff eher unüblich ist.

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Viele Ärzte haben keine Berufshaftpflicht

Nicht immer haben Ärzte eine Berufshaftpflicht: Wenn Ärzten bei der Behandlung ihrer Patienten ein Fehler unterläuft, kann ihnen Schadensersatz oder Schmerzensgeld drohen. Dabei bedeutet dies für die geschädigten Patienten: je schwerer der Behandlungsfehler, desto weniger können die Mediziner Schadensersatz leisten. Denn häufig sind die Ärzte nicht in der Lage, diese Kosten selbst zu tragen.

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Mehr Behandlungsfehler: Krankenkassen fordern Meldepflicht

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Kassen (MDS) hat neue Zahlen bekannt gegeben – immer mehr Patienten wenden sich mit dem Verdacht auf einen Behandlungsfehler an die Krankenkassen. 2015 habe sich dieser Verdacht in mehr als 4.000 Fällen auch tatsächlich bestätigt.

Zunahme registrierter Behandlungsfehler

Gutachter waren im vergangenen Jahr 14.828 Vorwürfen nachgegangen. Davon bestätigte sich mit 4.064 Fällen fast jeder vierte Verdacht. 2014 waren es noch 3.796 von 14.663 Verdachtsfällen.

Am häufigsten kommt der Verdacht auf Behandlungsfehler nach Operationen auf (7.693 Verdachtsfälle), etwa ein Drittel der Fälle kommen aus den Fachbereichen Orthopädie und Unfallchirurgie. Dies bedeutet jedoch nicht, dass in diesen Bereichen tatsächlich die meisten Behandlungsfehler unterlaufen, sie sind dort lediglich leichter zu erkennen.

Regelmäßig kommt es zu vermeidbaren, aber folgenschweren Fehlern, wie schlimme Druckgeschwüre. Auch werden bei Eingriffen gelegentlich Gegenstände wie Tupfer im Körper der Operierten vergessen.

50 % aller Behandlungsfehler durch zu späte oder keine Behandlung

Der MDS vermutet zusätzlich noch eine hohe Dunkelziffer, da Behandlungsfehler für Laien oft nicht erkennbar sind. Häufig gehen Patienten aber auch einem Verdacht gar nicht erst nach oder wenden sich direkt an die Schlichtungsstellen der Ärztekammern. Etwa die Hälfte aller Behandlungsfehler ist darauf zurück zu führen, dass Patienten gar nicht oder zu spät behandelt wurden. Die restlichen Fälle sind das Resultat mangelhafter oder wenig sinnvoller Maßnahmen.

Anstieg möglicherweise durch Stärkung der Patientenrechte

Seit 2013 das Patientenrechtegesetz in Kraft trat, wird eine Zunahme der Patientenbeschwerden beobachtet. Dieses stärkt den Anspruch der gesetzlich Versicherten, dem Verdacht auf Behandlungsfehler nachgehen zu lassen.

Patienten können sich im Zweifelsfall an ihre Krankenkasse wenden. Nach einem kostenfreien Gutachten des Medizinischen Dienstes kann der Betroffene dann entscheiden, wie er weiter vorgehen möchte.

Dennoch mangelnde Transparenz bei Behandlungsfehlern

Der MDS kritisiert jedoch die mangelnde Transparenz über Behandlungsfehler. Er fordert eine Meldepflicht und und nationale Ziele zur Reduzierung. Die Gesundheitsexpertin der Grünen Klein-Schmeink fordert „ein bundesweites Monitoring durch eine unabhängige Stelle sowie ein verbindliches Fehlermelde- und Vermeidungssystem“. Trotz des Patientenrechtegesetzes liegt die Beweislast für Behandlungsfehler grundsätzlich bei den Patienten. Mediziner müssen nur bei groben Behandlungsfehlern nachweisen, dass der Fehler nicht die Ursache des Schadens war.

Grober Behandlungsfehler: 200.000 EUR Schmerzensgeld

Nachdem einer Patientin aufgrund eines Befunderhebungsfehlers beide Nieren entnommen werden mussten, hat das Oberlandesgericht Hamm ihr nun ein Schmerzensgeld von 200.000 € zu gesprochen (Az: 26 U 104/14). Das Interessante am vorliegenden Fall ist, dass nicht etwa eine tatsächlich erfolgte falsche Behandlung, sondern eine unzureichende Aufklärung über die Dringlichkeit der Untersuchung als grober Behandlungsfehler eingestuft wurde.

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